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Tamil Nadu Mamallapuram 688
Tamil Nadu Mamallapuram 688 (Samuel)
Mamallapuram
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Samuel Degen
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Sri Lanka 2011

Reisefotos einer 2-wöchigen Gruppenreise über die Pfingstferien 2011.

Als neuer 2. Vorsitzender der Karlsruher Hilfsorganisation Patenkinder Matara e.V., www.patenkinder-matara.de, organisierte und leitete ich nun eine 50-köpfige Reisegruppe nach Sri Lanka. (2007 = 8 Personen / 2009 = 21 Personen).

Die ersten 2 Nächte verbrachten wir alle gemeinsam im "Goldi Sands" in Negombo, ein gutes und preiswertes Hotel in bester Lage.

Danach fuhr die Gruppe die deutschsprachig geführte 1-wöchige "Klassische Sri Lanka Rundreise" mit einem Tourbus durch die Insel, wir selbst fuhren in dieser Zeit mit unserem Privatfahrer die Ostküste entlang. (Küstenstraße Trincomalee bis Aurgam Bay).
Für die Rundreise der Gruppe konnte ich wieder, wie bereits in 2009, den beliebten örtliche Reiseleiter "Sudu" verpflichten.

Den 5-tägigen Badeabspann nach der Rundreise machten wir privat im "Mirissa Palace", ein wunderschönes Guesthouse auf den Klippen von Mirissa.
Die große Gruppe wohnte, wie bereits zuvor die Gruppe in 2009, diese 5 Tage im bewährten Kogalla Beach Hotel.

Höhepunkt der Reise war der gemeinsame Besuch von uns 50 Personen unserer 220 Patenkinder in Matara. (Hits: 3343)
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Patenkinder von Matara (371)
Am Vorabend steigerte sich die Vorfreude auf den Besuch am 22. Juni 2011 im Tempel Maha Navimana in Matara nochmals. Reverend Yatalamatte Vipassi Thero, unser örtlicher Projekleiter, war ins Kogalla Beach Hotel gekommen, um die große Delegation des Vereins Patenkinder Matara e.V. aus Karlsruhe zu begrüßen.
Er saß, nein thronte auf seinem Stuhl, den das Servicepersonal mit einem weißen Tuch bedeckt hatte, wie es hierzulande Brauch ist. Die Gruppe saß im Halbkreis um ihn herum, so dass alle seinen Worten lauschen konnten. „Ich freue mich sehr, dass so viele Pateneltern aus Karlsruhe gekommen sind, um ihre Kinder zu besuchen“ übersetzte unser Dolmetscher Sudu. Dieser hatte zuvor den Großteil der Gruppe als Guide auf der klassischen Rundreise eine Woche durch die Insel geführt. Vipassi verlor nicht allzu viele Worte, trank noch eine Tasse Tee und entschwand.

Pünktlich um 08:30 Uhr kommen die Busse. Als Organisator der gesamten Reise hatte ich diese so bestellt. Die Fahrt führt uns eine Stunde die Küste Richtung Osten lang nach Matara, die zweitgrößte Stadt des Südens von Sri Lanka.
Kurz vor dem Tempel stoppen sie plötzlich. Vipassi hat vom Tempel aus telefonisch durchgegeben, dass die Vorbereitungen zu unserem Empfang noch nicht ganz abgeschlossen sind. Nach 10 Minuten geht es weiter. Welche Überraschung. Viele beflaggte Polizeimotorräder tauchen rechts und links auf und eskortieren uns den letzten Kilometer zum Ziel. Fast so wie bei einem Staatsbesuch. Ich hatte uns zwar im Vorfeld bei der deutschen Botschaft und dem Tourismusministerium in Colombo angemeldet, aber nicht erwartet, dass das Wirkung gezeigt hätte.

Angekommen, warten bereits hunderte von Menschen auf uns, mehrere Videokameras und Fotoapparate sind auf uns gerichtet. Die Patenkinder stehen dicht an dicht die lange Auffahrt zum Tempel hoch Spalier, hohe Amtspersonen warten mit unserem Reverend Yatalamatte Vipassi Thero auf uns. So der Bürgermeister von Matara, der Gouverneur von Südsrilanka, der örtliche Polizeipräsident, ein Universitätsprofessor und einige mehr.

Vorneweg trommelnde und singende Kandydancer in ihren schönen Kostümen, schreiten wir durch das Spalier. Als neuer 2. Vorsitzender der Karlsruher Hilfsorganisation Patenkinder Matara e.V. werde ich eingeladen, zusammen mit diesen Offiziellen an der Spitze der Prozession zu gehen. Da ich zwar bereits auch die vorherigen zwei Gruppenreisen zu den Patenkindern von Matara in 2007 und 2009 organisiert und geleitet hatte, jedoch da noch nicht im Vorstand unserer Hilfsorganisation war, konnte ich damals ungeniert das Empfangs Spektakel fotografieren.
Jetzt aber eilt nur meine Frau Andrea gleich nach dem Aussteigen voraus, um vom anderen Ende des ca. 100 Meter langen Spaliers im Gegenschuss Bewegtbilder zu machen. Links neben mir der Bürgermeister, rechts der Gouverneur und die anderen, geht es bedächtig und würdevoll langsam voran. Ich kann es jedoch nicht lassen, und halte immer wieder meine kleine Sony Videocam eingeschaltet einfach vor den Bauch, zu einmalig ist diese Situation, um davon keine vollständige Filmdokumentation zu haben. Zwischendurch wechsle ich sogar die Kamera, um nun mit hochgereckten Armen mit meinem guten 24 mm Carl Zeiss Sonnar Weitwinkelobjektiv einmalige Übersichtsfotografien zu machen. „Der Zweck heiligt die Mittel“ denkend ertrage ich die gelegentlichen Seitenblicke des Bürgermeisters.

Oben angelangt, gibt es erst einmal Blumen wie auch eine aufgeschlagene Kokosnuss zum trinken. Wie soll ich das alles in Händen halten und auch noch so „nebenbei“ von dem riesigen Spektakel hier wichtige Foto-. und Filmaufnahmen machen? Das lokale Reporterteam ist zwar ständig an der Arbeit, aber werde ich je an deren Bildmaterial kommen? Kurzentschlossen übergebe ich nach wenigen Minuten die schönen Blumen und die erst halb leer getrunkene Kokosnuss einer der verdutzt reagierenden Helferinnen und mache mich an meine gewohnte visuelle Arbeit. Aber immer wieder sind zwischendurch meine Kameras schnell zu verstauen, um den Offiziellen Rede und Antwort über unsere Projekt und unsere Hilfe hier an der Südspitze von Sri Lanka zu stehen. Hinterher bei meinen multimedialen Vorträgen für unsere Organisation Patenkinder Matara e.V. fragt keiner mehr, unter welchen Umständen die Aufnahmen zustande kamen, da zählt nur noch ein top Ergebnis.

Nun die Schuhe ausgezogen und die um 10 Uhr Vormittags bereits glühend heißen Treppen zum berühmten Tempel Maha Nawimana hochgestiegen. Die Kandydancer trommeln was das Zeug hält, der unser Karlsruher Hilfsprojekt vor Ort leitende Sadu, wie hier die Mönche genannt werden, Reverend Vipassi, schreitet bedächtig voran. Wir erhalten Lotusblüten, um diese im herrlich ausgestalteten Tempel vor dem großen goldenen Buddha auf einem bereitstehenden großen Tisch verneigend abzulegen.

Alle Patenkinder, deren Eltern bzw. Pflegeeltern und die vielen Gäste haben sich zwischenzeitlich auf dem großen Platz inmitten des Tempelgeländes unter schattenspendenden Bäumen versammelt.
Die vier ranghöchsten buddhistischen Geistlichen aus dem Süden von Sri Lanka sitzen erhöht in Position, um gleich mit uns eine feierliche buddhistische Zeremonie abzuhalten. Matten liegen bereit, auf denen wir im ungewohnten Schneidersitz Platz nehmen, mein lädiertes Kreuz rebelliert bereits beim hinschauen. Mir wird ein Platz in der Mitte der ersten Reihe zugewiesen, wieder zusammen mit meinen honorigen Nebenmännern vom Spalierlauf.
Zuerst werden den Mönchen von uns aus der ersten Reihe neue Roben als Geschenk überreicht. Diese waren zuvor von Rev. Vipassi beschafft worden und liegen bereits zur Übergabe bereit. Dann wird von einer Spindel ein langer weißer Faden abgewickelt, der von Hand zu Hand geht und alle miteinander verbindet.
Die folgende Meditation ist lange und eindrucksvoll. Wir aus dem christlichen Abendland würden das Kommende eher als inniges Gebet bezeichnen. Die Mönche sprechen abwechselnd in einer Art Leiergesang, die Einheimischen murmeln in fast allen Passagen mit. Alle halten die ganze Zeit die zusammengelegten Hände vor das Gesicht, den Faden unter die Daumen geklemmt. Ein spiritueller Wohlfühlteppich breitet sich über die Massen. Ich schließe die Augen und bin nun endlich da. Da in meinem so geliebten Fernost, das mir in über einem viertel Jahrhundert unzähliger Besuche zur seelischen Heimat wurde. Da auch bei diesen liebenswürdigen Menschen, ihrer Sanftmut und Aufmerksamkeit. Weit weg von den unzufriedenen Wutbürgern Zuhause, die mich krank machen mit ihren rücksichtslosen und unersättlichen Forderungen nach mehr, mehr und mehr. Da bei den Kindern, die wirklich Hilfe benötigen und für jede noch so kleine Aufmerksamkeit überaus dankbar sind, die lernen, die später hart für ihre Familien arbeiten werden.
Nun wird der Faden von den Mönchen mit einer Schere in kurze Stücke geschnitten. Wir Gäste werden eingewiesen, stehen danach auf und ein Mönch schüttet uns zuerst aus einem Krug etwas Wasser in die Handflächen, das wir trinken. Kniend bekommen wir dann von den anderen Mönchen ein Stück des Fadens um das Handgelenk gewickelt. Alle stehen nun auf, die Matten werden weggeräumt, die Zeremonie ist zu Ende. Mein Rücken brennt wie Feuer, wie soll das nur weitergehen. Zuhause habe ich einen ergonomisch geformten Bürostuhl und nun saß ich fast eine Stunde auf einer Bastmatte im Schneidersitz. Warum gibt es keine Meditation "light" für uns kleuzlahme Grufties?

Jetzt entsteht Bewegung auf dem großen Platz. Pateneltern und Patenkinder suchen sich. Die vielen Patenkinder haben hierzu einen Zettel auf die Brust geheftet, auf dem ihr Namen und der Name der Pateneltern steht. Lachen, freudige Kontaktaufnahme, Fotos. Aber auch einige traurige Blicke. Manche der Kinder fragen vergeblich nach ihren Pateneltern, diese sind bei der Reisegruppe nicht dabei. Ebenso suchen einige der Pateneltern vergeblich ihre Patenkinder, die auch nicht da sind. Zwar hatte ich vier Wochen vor unserer Anreise die Namen der Teilnehmer hierher ins Kloster gemeldet, aber was ist da schief gelaufen? Reverend Vipassi erklärt mir das am nächsten Tag ausführlich in seinem Büro, es bleiben keine Fragen offen.
Ich kenne ihn auch seit Jahren. Er ist ein Ehrenmann, für den ich meine Hand ins Feuer lege. Wie aber auch tief gläubiger Mönch und kein ausgefuchster Eventmanager, wie leider einige, gottseidank nur wenige, aus der Gruppe von ihm nörgelnd erwarten. Hauptgrund für das Fernbleiben einiger Kinder ist die zu große Entfernung zum Kloster, die je einen mehrstündigen Fußmarsch in beide Richtungen erfordern würde. Geld für ein Taxi ist nicht da.

Die Gelegenheit ist gut und zu schlecht oder zu alt sind viele der Fotos unserer Patenkinder, die wir in Karlsruhe in unseren Vereinsunterlagen haben. Deshalb lasse ich nach und nach alle Kinder antreten, um sie gleich hier auf dem Platz zu porträtieren. Das geht zügig, je Kind zwei mal ausgelöst, sicher ist sicher.

Langsam füllt sich der Ausstellungsraum, in dem Gemälde und Basteleien der Patenkinder von Matara nicht nur ausgestellt sind, sondern auch mitgenommen werden können. Nahezu alle Kinder haben etwas erarbeitet, dies wird Zuhause sicherlich für viel Freude bei den Pateneltern sorgen.

Nun werden wir Gäste gegen 13 Uhr zum Mittagessen gerufen. Im Kindergarten des „Karlsuher Children Center“ sind Tische eingedeckt, ein Catering Service hat ein reichhaltiges Buffet aufgebaut. Welch ein Aufwand. Aber lieber so als dass unsere zum Teil total asienunerfahrenen Pateneltern hinterher über ein zu einfaches feuerscharfes Curryessen vom Palmblatt klagen, dass sie auch noch mit der rechten Hand einnehmen müssten.

Weiter geht es in die neu renovierte Halle des Klosters zum offiziellen Programm. Noch 2009 bestand der Fußboden aus fleckigem grauem Beton, nun ist er freundlich hell gefliest. Die Wände sind weiß gestrichen, die Bühne hat einen roten Vorhang.
Sudu übernimmt die Leitung der Veranstaltung. Reden, Geschenkübergaben, Tanz- und Gesangsvorträge der Kinder wechseln sich ab. Wir überreichen zwischendurch Armbanduhren an alle Patenkinder, die zuvor auf Vereinskosten Kosten von Srima, einer engagierten Karlsruher Sri Lankanerin, bei ihrem Besuch im März diesen Jahres hier vor Ort gut und günstig besorgt wurden.
Aber auch wir können kulturelles liefern. So erfreuen sich die Zuschauer klatschend am Badener Lied, der deutschen Nationalhymne und einigen unserer Beiträgen mehr.

Das nimmt, wie hier in Sri Lanka bei Feierlichkeiten so üblich, fast kein Ende, erst gegen 18:30 Uhr ist Schluss. Noch ein Snack im Kindergarten, innige Verabschiedungen und der obligatorische Stromausfall. Welch ein ereignisreicher Tag im „Karlsuhe Children Center“ bei unseren herzlichen Gastgebern, die zu Freunden wurden.

Auf der Rückfahrt zum Hotel sinniere ich über Sinn und Unsinn unserer Hilfe hier am südlichsten Ende des Indischen Subkontinents. In 30 Jahren durfte ich 80 Länder unserer Welt bereisen und fotografieren, hier habe ich jedoch erstmals durch mein sehr arbeitsintensives Engagement direkt und wirksam geholfen. 30 Kinder aus Matara konnte ich zudem in meinem eigenen Freundeskreis bislang vermitteln und auch durch meine vielen Filmvorträge und Projektpräsentationen mit nennenswerten Spendenerlösen wesentlich zum Bestand dieser Hilfseinrichtung beitragen. Fast 80 Menschen führte ich insgesamt aus Karlsruhe in Gruppen in den Jahren 2007, 2009 und nun in 2011 hierher nach Matara und verschaffte ihnen einen Einblick in unsere Arbeit. Hinzu kommen die vielen vielen Individualreisenden, die ich hierher schickte.

Zufriedenheit macht sich breit, etwas stolz auf die Früchte meiner Arbeit bin ich dem Moment dann schon. Mit einem Lächeln im Gesicht spendiere ich mir, zurück im netten Guesthouse in Mirissa, noch ein eiskaltes Lion Bier, heute Abend zischt es besonders...

Angels Home for Children (98)
Und nun ist alles ganz anders. Bereits 2009 waren wir beim Besuch des Angels Home in Marawila, 30 km nördlich von Negombo gelegen, richtiggehend begeistert. Aber aus damals 18 Mädchen wurden nun über 40. Und erst der Neubau! Keine Enge mehr, lichtdurchflutete helle Räume, blitzeblank und überaus freundlich.

Wir kommen am Nachmittag des 12. Juni 2011 per Minibus. Aus meiner 51-köpfigen Reisegruppe, die ich am gelben Strand von Negombo im dazu vom Namen her gut passenden Goldi Sands untergebracht habe, melden sich 10, die Interesse haben, Julia und Linus in ihrem Angels Home in Marawilla zu besuchen. Diese Entscheidung war ebenfalls „gold“-richtig, darin waren sich danach alle mehr als einig.

Aber von vorne. „Hello everybody“ erschallt es aus den vielen Kehlen der Kinder, die sich brav in Reih und Glied im Hof des Angels Home zu unserer Begrüßung aufgestellt haben, nachdem sich das bunt bemalte Eingangstor bei unserem Eintreffen wie von Geisterhand öffnete, was jedoch verschmitzt lächelnde Kinder gut versteckt hinter den schweren Eisenflügeln bewerkstelligten.

Die beiden Schäferhunde, gestrenge Wächter der Kinder, ziehen sich bei unserer Einfahrt die 50 Meter vom Tor zum Haus zurück, um uns dort beim aussteigen misstrauisch zu beobachten und durch verhaltenes bellen ihre Anwesenheit zu unterstreichen.

Julia und Linus warten schon auf uns, dann eine Begrüßung der besonderen Art. Seit vielen Jahren stehe ich mit Linus per Mail in Verbindung, nur persönlich haben wir uns noch nie getroffen. Vor zwei Jahren hatten wir uns nur knapp verfehlt, Linus erwartete mich mit meiner damaligen 7er Gruppe erst einen Tag später und war deshalb leider bei unserem damaligen Besuch nicht da.

Nun aber endlich. Vertrautes Händeschütteln, wenig einleitende Wortes sind nötig. Die Standartfragen nach dem warum, nach dem wie und dem wohin erübrigen sich, all das ist längst geklärt..

Zuerst ins Büro. Der einzige Ort, an dem Julia und Linus einen AC gekühlten Ort haben, an dem sie mit somit klarem Kopf mehr als 12 Stunden ihrer Hauptarbeit nachgehen; an dem alle Fäden zusammenlaufen. Korrekteste Ordnung, keine Verschwendung von Energie an irgendwelche unerledigten Papierberge.

Gleich nebenan ein neuer EDV Raum mit mehreren PC-Plätzen. Auch hier werden die Kids fit für die Zukunft gemacht. Wir gehen durch Gemeinschaftsräume, zur Bibliothek, die alle Vorstellungen einer solchen Einrichtung in den Tropen sprengt.Tausende, ja abertausende von englischsprachigen Büchern fein sortiert in mächtigen Regalen. Welch ein Schatz, welche Möglichkeiten.

Nun folgen die Schlafsäle, deren farblich freundliche Gestaltung diese doch zu recht behaglichen Orten der Träume werden lässt. Je zwei Mädchen teilen sich ein Doppelbett, wie auch einen Schrank. Immer sind ein kleineres und ein größeres Mädchen zusammen, so dass letzteres Hilfe und Anleitung geben kann.

Die drei Praktikantinnen aus Deutschland sitzen bei den Kindern am langen Tisch und betrachten uns freundlich. Anhand derer noch fast rein weißen Hautfarbe ist klar, dass sie noch nicht lange hier sind, die unerbittliche Sonne hinterlässt in diesen Breiten schnell ihre Spuren.

Die Kinder trinken Tee und freuen sich über unsere mitgebrachten Gummibärchen und Bleistifte, die sie noch lange in der Hand halten. Meine Kamera klickt und klickt. Linus kennt mich und weiß, dass ich die Fotos behutsam und überlegt im Sinne seiner Arbeit verwenden werde, ansonsten unterbindet er bei solchen Besuchen mit Recht das„abknipsen der Affen im Zoo“.

Es geht weiter durch das nagelneue Haus, überall die gleiche Sauberkeit und helle Atmosphäre. Im Krankenzimmer liegt ein Mädchen, dem geht es heute nicht so gut. Julia macht Faxen, das Mädchen lächelt. Linus erklärt und erzählt. Von den Anfängen, den Widrigkeiten, Höhen und Tiefen. Und dass das Paradies hier auch Hölle sein kann, wie in den zwei heftigsten Monaten des Monsums, an dem quasi das ganze Haus unter Wasser steht, nichts trocknet, die Moskitos den Körper martern und die Seele traurig ist. Da kommt schon Sehnsucht auf nach dem mildem Klima Zuhause, dem leckeren Essen von Muttern. Aber schnell weggewischte Gedanken, hier ist die Aufgabe, hier die Verpflichtung und somit sein Platz. Julia nickt und steht fest an seiner Seite. Welch ein Team, das keine Fassade spielt sondern ein Stück weit die Tür zum Ich öffnet.

Die Küche ist riesig. Gewaltige Töpfe, die fast aus einem Movie über Kannibalen stammen könnten stehen auf der Feuerstelle. Das Holz lagert in Mengen nebenan, ein rarer und somit wertvoller Rohstoff hier in Sri Lanka.

Im Garten dann das Hobby von Linus, seine Fischzucht. Da stehen große Aquarien mit prächtigen topischen Fischen, die er züchtet und verkauft. So kommen gut 80,- Euro im Quartal zusätzlich in die Kasse. Das macht Mut, so soll das Ganze nun um eine Hühnerzucht erweitert werden, Eier und Hühnerfleisch sind teuer in Sri Lanka und Essensreste könnten an die Hühner verfüttert werden.

Im Hof ein Gemurmel der Mädchen, wir werden erwartet. Aufgereiht stehen Stühle bereit, wir sollen Platz nehmen. Tee wird gereicht, Musik erklingt.

Und dann sind sie da. Die tanzenden Mädchen des Angels Home in ihren prächtigen Kostümen. Überrascht und mit großer Freude genießen wir die Darbietungen. Die Mädchen geben alles. Wir schwitzen schon beim zuschauen. Eine Leidenschaft der Kinder hier, ein Highlight in ihrem leider auch traurigen Leben im Heim. „Zuhause“ sind sie lieber wie hier im Heim, sagt Linus ehrlich. Trotz allerbester Bedingungen hier. Aber wo ist dieses Zuhause, da doch einige der Mädchen nicht mal ihren richtigen Namen kennen? Geschweige denn Vater und Mutter?
So sind Julia und Linus und die anderen Mädchen, die sie mit Schwester anreden, ihre Familie.

Es wird Zeit zu gehen, die Kinder müssen sich noch vorbereiten, morgen ist Montag und damit Schule. Tief beeindruckt besteigen wir unseren Van und fahren vom Hof. Freundliches winken, ein schaler Geschmack im Mund, da müsste doch mehr geholfen werden. Ein kurzer Blick auf die Visitenkarte von Linus, dann gleich in die Hosentasche verstaut. Schön wäre es, diese Zuhause nicht mit dem anderen unnützen Papiermüll der Reise wegzuwerfen sondern einzusetzen für einen fruchtbaren Kontakt zu Julia und Linus, zum Angels Home for Children.

Arugam Bay (131)
Bereits im Jahre 2009 habe ich einen Reisebericht zur Arugam Bay geschreiben.
Weil`s so schön war, hier nochmal der alte Text:

Glück gehabt. Monate im voraus geplant, war es nun absoluter Zufall, dass just fünf Tage vor unserem Abflug am 22.05.09 nach Sri Lanka von der dortigen Regierung die 26 Jahre dauernde militärische Auseinandersetzung als beendet erklärt wurde. So lange bekriegte sich die offizielle singalesische Armee mit der tamilischen LTTE mit unzähligen Opfern und schlimmsten Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten.

Unsere Fototour war eigentlich schon geplant, natürlich ohne Besuch der kritischen Gebiete im Norden und Osten der Insel Sri Lanka, die in etwa die Größe von Bayern hat.
Allzu verlockend war nun die unerwartete Chance, die Traumstrände des Ostens zu besuchen und zu fotografieren. Zumal an der uns bereits durch Reisen in 1994 sowie 2007 bestens bekannten Süd- und Westküste im Sommer Regenzeit herrscht, im Osten hingegen das türkisblaue Wasser und ein stahlblauer Himmel verlockend warten.

Unserer Fahrer Rodrigo, der uns routiniert und zuverlässig bereits 2007 mit seinem Toyota Minivan auf der klassichen Route Negombo – Mihintale – Anuradhapura - Polonnaruwa – Sigiriya – Dambulla – Kandy – Nuwara Elya – Unawatuna zu den Top Foto Locations chauffierte, war von unserem nun spontanen Plan, auch an die Ostküste zu fahren, gleich angetan. Wieder Glück gehabt, da die meisten seiner Fahrerkollegen der Widrigkeiten wegen dies eher verhalten sehen.

Also umgeplant, die Ostküste als neues Ziel stand.

Trincomale, von den Einheimischen einfach Trinco genannt oder die weit südlicher gelegene Arugam Bay? Obwohl nach Trinco eine nun nagelneue Straße führt, entschieden wir uns für die abgelegenere Arugam Bay. Des Fred wegen, korrekt Dr. Fred Miller. Fred, die ausgesprochene Ostküstenlegende, betreibt dort seit 1977 das Siam View Hotel, einfach SVH.
Und die beiden Orte zu verbinden war uns dann doch zu weit. Zumal bei einer Fahrt von Trinco nach Abay die Küstenstraße über Batticaloa lang dann doch zu viele militärische Checkpoints zu viel Zeit kosten.
Dank der Chinesen ist alles halb so schlimm, baut doch gerade eine chinesische Firma die Straße nach in den Osten nach Pottuvil aus. Und die Chinesen sind richtig schnell, werden wir wenig später von Fred erfahren. 2/3 der Strecke ist bereits fertig. Dort rollte dann unser Toyota mit über 60 anstatt der früher nur möglichen 30 kmh. Ob das dem geplanten Ostküstentourismus oder dem Militär dient, kann ich nicht sagen. Nach Trinco wurde ja auch eine nagelneue Straße gebaut. Wohl für beides.
Ist mir aber egal, wir wollen in den Osten, und das möglichst flott. Die ständigen Straßensperren sind lästig, die blutjungen Boys in ihrem martialischen Militäroutfit mit den Knarren im Anschlag sind halt neugierig. Aber immer korrekt und überwiegend freundlich. Doch leider irgendwie kein Gefühl von Frieden. Aber gut zu wissen, dass die Soldiers die Anweisung haben, die Touristen an die Ostküste zwar zu checken, aber dann doch durchzuwinken.
Nur sollte man schon die Kamera in der Tasche lassen, was mir dann doch sehr schwergefallen ist. Solche martialischen Militärszenarien hat man ja nicht alle Tage vor der Linse.
Das eine oder andere verdeckte Foto dieser Krieger ist mir dann doch geglückt. Wirklich nicht zur Nachahmung empfohlen, die Jungs verstehen da keinen Spaß.

Endlich da. So über 4 Stunden hat die Fahrt von Ella aus doch gedauert. Dank roter Telefonzelle vor dem Haus war das SVH = Siam View Hotel in KaputtoVille, wie Fred es weniger liebevoll nennt, auch gar nicht zu verfehlen.
Fred ist gottseidank da und empfängt uns freundlich. Ein lässiger und ewig junggebliebener Altfreak, so wie ich sie mag. Das tut gut, seine Ansprache ist klar und freundschaftlich. Das bleibt haften. Tage später in Tissamaharama tauft deshalb unsere 8-jährige Carlotta respektlos den Frosch, den sie im Pool gefunden hatte, spontan und unbeirrt auch Dr. Miller. Aber so sind Kinder nun mal.
Aber erst mal die Koffer aufs Zimmer und dann gleich ab an den Beach. Für Gespräche beim Bier ist eh der Abend geeigneter. Aber dazu später.
Whow. So muss "mein" Beach sein. Aalglatte Fuertestrände mag ich gar nicht. Hier aber liegen bunte Fischerboote dicht an dicht. Jungs spielen Fußball, viele Leute baden im Meer.

Surfers Paradise nennt man auch die Arugam Bay, die von der Surferszene unter die Top 10 der Surfspots weltweit gelistet ist. Ja, weiter oben am sonnenüberfluteten Surfpoint sehe ich junge Leute auf den weißen Wellenkämmen mit ihren Brettern tanzen. Herrlich anzuschauen.
Leider bin ich diese Art von Sport nie angegangen, aber auch einfach nur zuzuschauen macht auch Spaß.
Uns zieht es nun erst mal hinein ins Wasser. Nach verschwitzter Anreise ins 29 Grad warme türkisfarbene Nass, das ist jetzt dringend angesagt. Hatten wir zuvor an der Westküste, da dort Regenzeit herrscht, hohe, gefährliche Wellen und tobende See, so spielt hier sanft das Wasser gegen den weißen Strand. Die Kids jauchzen, endlich Fun im Wasser.
Dann aber doch gleich wieder raus, den Foto ausgepackt und den Strand lang gegangen. Ich kann es halt nicht lassen, immer nur das eine.
Und abends beim Bier laufen auf Freds Terrasse im SVH auf Riesenleinwand die Surfer Filme, die die Szene feiert.

Dieses Siam View Hotel war einst das größte Hotel der Ostküste, eine stolze Anlage mit 26 Zimmern in tropischem Garten. Bis zum 26.12.2004. Der Tag, an dem die Welle Fred sein Lebenswerk, das bereits 1979 von ihm eröffnete SVH, nahm. Der Tsunami kam unerwartet, schlug aber umso heftiger mit voller Wucht in das Hotel ein. Der Gärtner war aber dieses mal nicht der Mörder, nein, ausgerechnet er war es, der allen der zahlreichen Gäste das Leben rettete. Obwohl die meisten der Gäste der vorangegangenen Vollmond Party wegen gerade erst ins Bett gegangen waren, trommelte er in der Früh alle gleich wieder aus dem Bett. Er hatte zuvor das verschwundene Meer bemerkt und ahnte Fürchterliches.
So versammelte sich das bunte Völkchen unfreiwillig auf der Terrasse im 1. OG des Haupthauses. Kurz darauf schlugen unter ihnen die Fischerboote vom Strand wie Torpedos mit 300 Stundenkilometern in die vielen strandnäheren Bungalows im Garten und dann in die Wände des Erdgeschosses vom Haupthaus ein. Daneben gab es zahlreiche Tote, im SVH nicht.
Die stattlichen internationalen Hilfsgelder, die danach ins Land strömten, gingen leider gänzlich an Fred mit seinem SVH vorbei. Als „Ausländer“ mit deutsch-englischen Wurzeln war Fred als Betroffener nicht auf der Empfängerliste. Andere, meist weitaus weniger engagierte Leute, bekamen alleinig den warmen finanziellen Segen. Oder das Geld verschwand gleich im Regierungssumpf.
Nachdem Unmengen von Schutt in Schwerstarbeit weggeräumt waren, konnte er gerade mal 4 Zimmer im Haupthaus wieder aufbauen und einrichten. Und gleich wieder ein herber Rückschlag; der Krieg zeigte im Osten danach seine ganze Fratze, die Gäste blieben nun komplett aus.
Wären nicht helfende Freunde sowie der Rückhalt seiner Familie gewesen, hätte das längst das definitive Aus bedeutet. Auch gerade deswegen die Reise zu ihm.

Fred nahm sich die Tage unseres Besuches die Zeit, um uns auch die verschwiegenen Perlen seines Reviers rings um die Arugam Bay zu zeigen, die die Bezeichnung Traumstrände ebenfalls wirklich verdient haben :

So steht der Pottuvil Point z.B. den Top Seychellenstränden in nichts nach, jedenfalls habe ich selbst auf La Dique keine schöneren gefunden. Türkisblaues Wasser, eingefasst in eine herrliche Felsenkulisse, alles vom Feinsten. Der könnte es locker unter die Top 10 weltweit schaffen. Der Beach ist erschlossen, ein schönes Restaurant mit großer schattiger Terrasse wartet auf Gäste. Nur wenige Fahrminuten nördlich der Arugam Bay gelegen. Aber ein Fahrzeug benötigt man schon. Aber da gibt es ja auch noch Freds musealen VW Bus oder sein Moped. Und wenn wieder mehr Gäste kommen gibt es sicherlich bald ein Moped zu leihen. Oder aber per Fahrrad? Da müsste Fred mehr wissen, ich selbst bin da echt zu faul und habe deshalb kein Auge für exaktere Distanzen. Er lebt ja immerhin schon über 30 Jahre hier, überlebte die 26 Jahre des Krieges sowie den ebenso mörderischen Tsunami inmitten des umkämpften Ostens.
Schon die Fahrt von der Arugam Bay zum Pottuvil Point ist anders, wie von Sri Lanka gewohnt. Das zu durchfahrende Dorf Pottuvil mutet wie eines im mittleren Osten an. Das mag an den vielen Ziegen auf der Straße liegen, dem allgegenwärtig herumliegenden Plastikabfall oder auch an der Kleidung der muslimischen Einwohner. Manche, vermutlich ganz hübsche, verschleierte Frau steht am staubigen Straßenrand.
Die Männer tragen weiße Käppis und oft wallende Gewänder. Diese Leute leben in einer eigenen Welt, nach eigenen Regeln. Das kenne ich seit Jahren von Malaysia oder Indonesien. Uns gegenüber sind die Leute nicht ablehnend, aber schon irgendwie distanziert.

Und dann erst der Panama Point. Der südlichste Ort der Arugam Region, die holprige Straße führt ab dort nicht mehr weiter. Nach 1/2 Stunde Rüttelfahrt erreichen wir aber bereits Panama. Nein, nicht in Südamerika sondern in Südost Sri Lanka. Endstation, von hier geht es nicht mehr weiter, nur noch zurück.
Panama ist ein kleines verschlafenes Nest, ein singalesisches. Eine große Ausnahme, ist der Osten von Sri Lanka doch überwiegend tamilisch. Und bitterarm dazu. Aber blitzesauber ist es, das Panama in Sri Lanka.
Und Glück hat Panama gehabt, richtig viel Glück. Zwei parallele Sanddünenkämme liegen zwischen dem Dorf und dem Meer. Und dort blieben auch am 26.12.2004, am Tage des tödlichen Tsunamis, die mörderischen Wellen weitgehend hängen, so dass das Dorf nicht, wie so viele andere hier im Osten, einfach unterging.
Der Naturweg zum Panama Point führt durch die besagten Sanddünen. Gottseidank ist unser altgedienter Fahrer Rodrigo nicht abergläubisch. Es muss nun nämlich zu guter letzt ein großer Friedhof durchfahren werden. Das macht wirklich nicht jeder, vor allem an diesem Ende der Welt. Fred erzählt, dass fast alle anderen Fahrer, die er bislang hierher gebracht hatte, an dieser Stelle nicht mehr weitergefahren sind sondern sofort umgedreht hätten - Rodrigo eben nicht. Somit haben auch wir Glück. Vielleicht wirkt aber bei Rodrigo einfach auch nur der Arrak vom Vorabend noch nach, wer weiß. Oder der Jonny Walker ist noch nicht gegangen, den wir ihm vom Airport mitgebracht hatten.
Durch die gute Mischung von Arrak mit seinem ständigen Betelnußgekaue steht er somit meist eh über so profanen Dingen wie dem bischen Friedhof hier, dies braucht so ein ausgebuffter Profifahrer wie wir Warmduscher unseren Milchkaffee. Ein herrliches Panorama eröffnet sich uns.

Danach spricht aber Rodrigo nicht mehr mit mir, eisiges Schweigen. Seinen Augen sehe ich den Vorwurf an. Wie oft hatte er mich bei der stundenlangen Fahrt ab Ella an die Ostküste zur Arugam Bay doch gebeten, auf seinen Toyota Minivan Rücksicht zu nehmen. Schlecht seien die Straßen dort im wilden Osten, tief die Schlaglöcher. Ein Schaden an seinem Minivan - undenkbar. Zudem keine Werkstatt weit und breit in diesem unterentwickelten Gebiet. Auch hat er regelmäßig an heiligen Stellen gehalten, um Groschen für sein Fahrerglück zu spenden. Und ich hatte immer nur ja gesagt.
Das habe ich nun davon. Fred zeigte nämlich auf dem Weg zum nächsten Highligt locker nach rechts, hinein in die Pampa. War die Straße von Panama zur Arugam Bay schon der reinste Schüttler, nun soll es in sandiges und unbefestigtes Gelände gehen. Im Buschland ist schwach ein Weg zu erkennen, gerade mal so breit wie der Toyota. Hier soll nun Rodrigo reinfahren. Einige hundert Meter weit bis zum Meer.
"Ja, schon richtig", ergänzt auch Freds einheimischer Mitarbeiter Yusuf, der mit uns auf Tour ist. Yusuf weiß zwar nichts von unserer geheimen Kenntnis, uns aber ist unbeirrbar klar, dass er nur Yusuf heißen kann. Wir haben ihn glatt durchschaut, die unverwechselbare Doublette des ex Cat Stevens will uns, landestypisch getarnt mit optisch etwas dunklerem Taint, mit der Hotelboy Nummer nur täuschen. Zu verräterisch ist seine Nickelbrille seine Frisur, sein einfach alles.
Rodrigo gehorcht. Dienst nach Vorschrift ist angesagt. Und dann noch eine trübe tiefe Wasserdurchfahrt. "Ja ja, das geht, die Jungs von Hikkaduwa fahren da täglich mit ihrem Toyota durch." sagt Yusuf. Rodrigo gehorcht wieder. Als wir dann endlich da sind, bleibt Rodrigo beim Auto. Der herrliche vor uns liegende Strand, den er sonst so liebt, kann ihm gestohlen bleiben, wie vermutlich auch wir. Später am Abend, beim alles lösenden Arrak und einiger Kauladungen Betelnuß später ist wieder alles beim alten. Aber ja nicht nochmal. Das Kratzen der dornigen Zweige an seinem heiligen Blechle wird er wohl nie vergessen.
Die Hikkaduwa Jungs bauen gerade am Strand der Peanut Farm luftige Hütten auf Stelzen. Die Jungs haben auch an der, nur wenige km weiter nördlich liegenden Arugam Bay, ihre nette Anlage nach dem Tsunami wieder aufgebaut. Im Winter sind sie in Hikkaduwa, im Sommer nun hier. Deshalb auch der Name "Hikkaduwa Boys". Solche mit langen Haaren, weißen Muschelkettchen auf brauner Haut, Bob Marley T-Shirt und iPod im Ohr. Frauen sollten um solche Schokoladenperlen eher einen Umweg machen, an diesen Rasta Jungs kleben sie sonst wie an Honig, hab ich mir sagen lassen...
Der Strand der Peanut Farm ist wieder ein wahres Paradies. Der Name passt nicht so ganz, der lenkt die Gedanken eher zur Deutschen Bank. Was solls. Die große Süßwasserlagune des Hinterlandes trifft sich auch hier fast mit dem Meer. Sowohl am Pottuvil- als auch am Panama Point reichen große Lagunen ebenfalls bis fast an die See, so dass ein unwirklich schönes Landschaft entsteht. Dort finden Naturfreunde reiche Fauna und Flora, seltene Vögel, aber auch leibhaftige Krokodile. Aber letztere haben ja bekanntermaßen in Sri Lanka schwammig weißes Touristenfleisch nicht auf ihrer Speisekarte...

Dass hier, an der nun nach dem Krieg wieder weitgehend frei bereisbaren Ostküste, in unserem Sommer die Trockenzeit herrscht, macht Sri Lanka nun endlich auch zur Ganzjahresdestination; im Winter in den Westen, im Sommer in den Osten.

Wer nach 26 Jahren Krieg die tumben Urlaubsklatschen Bentota und Co. des Westens satt hat, findet hier im touristisch fast unberührten Osten von Sri Lanka garantiert eines der letzten unberührten Strand- und Naturparadiese dieser Erde. Wir haben es hier für uns gefunden.

Kalkudah_Passekudah (253)
2011, der Krieg ist vorbei, die Ostküste lockt. Was ist los mit der legendären Küstenstraße A15 von Trincomale über Mutur, die Traumstrände Pasekudah / Kalkudah nach Batticaloa und weiter als A4 zur Arugam Bay? Die aktuelle Literatur warnt, aber als touristischer Frontman reizt mich das umso mehr. Unser Driver Thilak erhält also den konkreten Auftrag, uns vom Uppuveli Beach die Küste entlang zu den legendären Beaches Pasekudah / Kalkudah zu bringen. Alle seine Kollegen warnen ihn am Vorabend vor dieser Tour und empfehlen ihm den Umweg über Pollonaruwa. Er bettelt, wir bleiben stur.

Bis Trinco ein Katzensprung, weiter nach Mutur dann eine Tortur. Die Fähre nach Mutur hat dank kaputter Brücke laut mehreren Polizisten, die Thilak am Wegesrand fragt, so drei Stunden Wartezeit. Also über „Feldwege“ durch das Hinterland ein 48 km langer Umweg. Und was für einer. Ein schwerer Jeep hätte da bereits bös zu tun gehabt, aber unser Nissan PKW kam ständig über seine Grenzen. Und Thilak hat die 7 Jahre alte Karre immer noch nicht abgezahlt. Wie teuer soll diese Reise für uns denn werden? So war das nicht gedacht. Aber gute Mine zum bösen Spiel. Weiter durch die unendliche Straßenbaustelle, die es so in Europa nicht gibt. Thilak betet nun nicht mehr nur wie vorher morgens vor Beginn unserer Tagestouren, nein, nun auch nach jedem Anlassen des Motors.
Unbeschreibliche Quälereien, wir brauchen drei Stunden bis Mutur, und das für insgesamt vielleicht 20 km Luftlinie.

Ab jetzt wir alles besser? Der Asphalt rollt, nach drei Kilometern ist wieder Schluss. Naturpiste vom Allerschlimmsten, die Karre steht kurz vor dem Exodus. Thilak betet . Zwischendurch gelegentlich wieder Asphalt. Kaum andere Autos zu sehen, das tut sich keiner an. Weitere drei lange Stunden später sind wir da, also nach insgesamt sechs Stunden „Fahrt“ für vielleicht 70 Kilometer direkter Strecke. Nie wieder Straßenppionier, das steht fest.
Vor einem Jahr gab es hier noch kein einziges Gästehaus an den legendären nebeneinander liegenden Stränden Pasekudah und Kalkudah. Der Krieg hatte die Betreiber nach 1983 vertrieben, die touristischen Unterkünfte zerstört.

Der Tsunami vom 26.12.2004 gab dem Fischerdorf den Todesstoß. Die 150 hier auf der Landzunge zischen den beiden Strandbuchten lebenden Fischerfamilien zusammen mit weiteren 7.000 Menschen im Umland wurden an diesem Tag aus dem Leben gespült. Wie auch 400 Sea-Tiger und 800 Regierungssoldaten, die, die Fischerfamilien als Puffer dazwischen, sich nur wenige hundert Meter an den beiden Stränden gegenüber lagen. Dies war für die Fischerfamilien die Hölle, sie konnten ihr Dorf nicht verlassen, da sowohl die Regierungssoldaten als auch die Tiger auf alles schossen, was sich bewegte. Die Grantaten, die je dem Gegner galten, verfehlten oft ihr Ziel und töteten und verstümmelten viele der Dörfler.

Wir haben die Wahl zwischen drei Gästehäusern, die iden vergangenen Monaten hier neu gebaut wurden. Moni`s Guesthouse gefällt uns am besten, der Name erinnert uns an eine Freundin, die auch ganz sauber, günstig und auch sonst ok ist.
Wir sind die einzigen Gäste. Das große Zimmer, leider ohne AC, kostet für uns drei 2.000 Rupien pro Nacht, das sind gerade mal 13,- Euro. Das Fahrerzimmer für Thilak ist inklusive, ebenso wie sein Essen. Es gibt auch noch drei AC Zimmer, aber die sind mit je zwei Betten für uns drei zu klein.

Von hier aus haben wir die Wahl. 200 Meter nach rechts zum Kalkudah Beach oder 200 Meter nach links zum Pasekudah Beach, das Guesthouse Moni liegt genau zwischen diesen Buchten. Es ist fast 16 Uhr, die Anfahrt war mehr als stressig, wir wollen nur noch die Labsal unserer geschundenen Körper im Meer.

Am Pasekudah Beach toben die Massen. Es ist Vollmondfest und es kommen Busse um Busse, die Leute singen laut. Wir entscheiden uns deshalb für den Kalkudah Beach. Keine Menschenseele. Wir laufen kilometerweit den langen Strand ab, auch da kein Mensch weit und breit. Das ist ein Strand der Strände! Was Besseres haben wir weltweit selten gesehen. Da stimmt wirklich alles. Schneeweißer blitzesauberer Puderzuckersand, tiefblaues brunnenklares Wasser, Palmenkulisse, pitoresske Fischerboote. Was für ein Traum. Alle Versprechungen der Literatur, dies sei der schönste Strand von Sri Lanka, werden eingelöst. Wir planschen, schwimmen und juchzen wie selten zuvor.

Den Pasekudah Strand nebenan haben wir bereits vergessen. Als dann beim Abendessen die Busse mit lautem Arakgesang vom dortigen Parkplatz wieder abfahren, bereuen wir, gute Film- und Fotomotive versäumt zu haben. Da hier in Sri Lanka kaum einer schwimmen kann und die Frauen immer in voller Montur baden gehen, sind gute Bilder immer garantiert. Unsere Gastgeber sagen, morgen sei der Spuk vorbei und der Pasekudah wieder leer. Enttäuschung macht sich breit, gute Aufnahmen sind für uns immer ein Muss.

Am nächsten Morgen fährt dann Mr. Ithyakumar aus Moni's Guesthouse die paar Kilometer mit nach Kalkudah, wir wollen sehen, wo und vor allem wie die überlebenden Fischerfamilien dort jetzt leben. Er führt uns in mehrere der hier „Tsunamihouses“ genannten Häuser. Die Siedlung mit 125 Häusern hier wurde „von Deutschen“ gestiftet; leider entdecken wir keine der sonst üblichen Infotafeln, die uns nähere Infos liefern könnte. Und zwar mit je 1 Mio. Rupien, das sind der derzeit 7.000, Euro. „Niemals sind diese Häuser 1 Mio Rupien wert“ sagt Ithyakumar. Er zeigt uns, dass nur die zur Straße zeigenden Fronten verputzt wurden. Zudem fehlten nach „Beendigung“ der Baumaßnahmen dann einfach auch die Elektro Installationen, die Sanitäreinrichtungen und vieles mehr. Hier wurde maximal die Hälfte der geleisteten Hilfszahlungen verbaut, der Rest verschwand, zusammen mit dem Löwenanteil der hunderten von Millionen Dollar, die nach dem Tsunami als Hilfe ins Land flossen.
Die Wirkungslosigkeit der internationalen Hilfe durch fehlende Kontrolle zeigt sich auch hier auf bittere Art und Weise. Wie froh bin ich wieder in diesem Moment, mein Engagement für dieses Land auf ein kleines überschaubares Projekt in Matara an der Südspitze der Insel zu konzentrieren.

Weiter führt uns die Vormittagstour zu mehreren Minenfeldern, die mit gelb-schwarzem Band und Totenkopftafeln markiert sind. Und vorbei an unzähligen im Krieg zerstörten Häusern, die Einschusslöcher an den Wänden zeugen vom unsäglichen Leid und Tod der ehemaligen Bewohner. Unser Sohn 11-jähriger Sohn Jo fragt uns Löcher in den Bauch, für ihn ist das Ganze ein riesiges Abenteuer.

Zurück bei der sauberen Moni sehen wir, dass doch wieder Busse an den Passekudah Strand unterwegs sind.
Also schnell die Kameras geschnappt dorthin gegangen. Der Passekudah zeichnet sich vor allem auch dadurch aus, dass man mehrere hundert Meter bei gleichbleibend nur hüfthohem Wasser ins Meer laufen kann. Ideal für die Einheimischen, da die allermeisten nicht schwimmen können. Welch ein Anblick. Unzählige Leute sind im Wasser. Die Frauen in voller Montur. Badeanzüge oder gar Bikinis sind hier unbekannt. Und 100 Meter weiter sind Heerscharen von weißgekleideten Frauen mit Kopftuch im Wasser. Sie spritzen sich kichernd und kreischend gegenseitig naß. Aufpasser am Strand quittieren jedes Vergehen der Studentinnen im Wasser, wie ein schlampig gebundenes Kopftuch oder gar ein unter dem langen weißen Rock hervorgestrecktes nacktes Bein mit heftigem Pusten auf ihren Trillerpfeifen. Nach unzähligen Reisen durch islamische Länder bin ich da wundgerieben und deshalb besonders schnell reizbar, zu viel Gewalt gegen Frauen musste ich leider dort persönlich miterleben. Als einer der Aufpasser auch noch auf mich zukommt und mir am öffentlichen Strand völlig unlegitimiert ein Fotografierverbot erteilt, platzt mir der Kragen. „Sehr geehrter Herr Aufpasser, zeige mir bitte die Stelle im Koran, die Dich berechtigt, den Frauen ein Kopftuch aufzuzwängen und mir als Gast im Lande Befehle zu erteilen“.
Ich weiß, dass diese verblendeten fundamentalistischen Typen den Koran in seiner Weisheit vermutlich weniger gut kennen wie ich. Und dass sie uns „Ungläubigen“ ein Lebensrecht auf diesem Planeten absprechen, wir sind in deren Augen „weniger Wert wie ein Hund“. Bevor ich mich aber weiter ereifere gehe ich schnell weiter, solche Hardliner sind mir ein Gräuel. Mir tun nur die Mädchen leid, so etwas hat diese schöne Tropeninsel mit seinen liebenswürdigen Menschen wirklich nicht verdient.

Und am Abend macht unser Fahrer Thilak Party. Er versteht die tamilische Sprache nicht, die hier an der Ostküste zu 95% gesprochen wird und hatte deshalb gehörigen Respekt vor dieser Osttour. Hier findet er jedoch im Koch, der zwar auch Tamile ist, aber in Nuwara Eliya im singalesischen Teil der Insel geboren wurde, einen gleichsprachigen Kumpel, der ebenfalls gerne einen Arak schluckt. So feiern die beiden in der Küche im 1. OG von Moni's, das noch eine reine Baustelle ist, ein kleines Ost- Westtreffen. Mr. Thilak kommt danach kaum noch die Treppe herunter, sein Glück ist perfekt.

Mirissa (151)
Mirissa Beach - Sri Lanka

Sri Lanka has been known by many names over the centuries. During the years under the British occupation is was known as Ceylon and many years before that it was called Serendib, a word now used to describe utter tranquility and relaxation.
It is said that Marco Polo visited this tear shaped Island in the 14th century and described it as " undoubtedly the finest island in the world ".

Mirissa and its breathtaking sandy beach pretty much transforms your dreams and visions of a tropical paradise into an everyday reality.

Located close to the Southern tip of the Island of Sri Lanka and only about 200 km from the Equator, this secluded crescent shaped beach is the perfect place to sit back, relax and forget about all the hussle and bussle of your other life that’s a million miles away.

This small sandy tropical beach boasts some of Sri Lanka’s best and most stunning sunsets and sunrises.
All the Guest Houses in Mirissa are set back from the actual beach giving you the impression that you are on a deserted palm fringed island. Every now and again the silence is broken by the sound of a coconut falling on the sand or a chilled beer being opened by someone further up the beach.

Yala Nationalpark (118)
Negombo (192)
Trincomalee (339)
2011, endlich. Ja , es hat dann doch fast vier Jahrzehnte gedauert.

Als ich mich als junger Kerl entschloss, die Welt zu erkunden, war Trincomale ganz vorne mit auf der Liste. Eine profunde Grundausbildung durch die Lektüre von fast 50 Bände von Karl May hatte mich gestählt, ich wusste alles über Abenteuer, Gefahren und wie diese zu bestehen waren. Irgendwie klang der Name auch gut, bedeutende Seefahrer aus Kolonialzeiten waren ja offensichtlich auch schon mal dort gewesen.
Aber erst mal was werden im Leben, Geld verdienen und dann per Zug und Schiff über die Türkei, Arabien und Indien oder so nach Ceylon reisen, die Routen verriet mir der Dirke Weltatlas aus der Bibliothek. Aber dann kam die Realität. Andere Ziele waren erst einmal doch wichtiger und ab 1983 war mit dem Beginn des Bürgerkrieges sowieso endgültig Schluss mit meinen Träumen von einer Reise nach Trinco. Und keiner ahnte, dass der fürchterliche Krieg bis zu Jahre 2009 dauern sollte.

Jetzt ist es soweit, wir sitzen im Wagen von Thilak. Unser Stammfahrer Rodrigo, dem wir auch seit Jahren unsere vielen Budgetreisenden durch Sri Lanka anvertrauen, ist verhindert, so dass er seinen Bruder einspringen lies. Der ist zwar nicht ganz so ausgebufft wie Rodrigo, aber auch ein guter Fahrer mit gutem Englisch und guten Manieren. Was will man mehr an diesem Ende der Welt.
Der Weg führt uns Nonstop von Negombo über Dambulla nach Trinco, 7 Stunden sollen das dann werden. Aber die Vorfreude auf die Ostküste packt dann doch die Schmerzen im Kreuz in Watte, so dass wir geduldig ausharren. Unser 11-jähriger Jo auf dem Rücksitz hinter mir ist von der Kurverei bald ganz grün im Gesicht, wir tauschen die Plätze und Jo schläft erleichtert ein.
Dann endlich Trinco, wir biegen aber nach links ab Richtung Nilaveli Beach. Am Uppuveli Beach, auf halber Strecke, dann rechts rein Richtung Beach zum „Shiva Beach Resort“, direkt am Strand.
Ein äußerlich ziemlich mitgenommener mehrstöckiger Klotz, hier sollen wir bleiben? Rodrigo kennt uns und unsere Wünsche seit Jahren. Sauber, nett und günstig. So etwas hat er für uns ausgesucht? Vertrauen siegt, wir laden unser Gepäck aus und beziehen unser Zimmer. Riesig, fast vier Meter hoch, gefliester Boden, drei große Betten. Herrlich. Und dem Geruch im Bad kann man ja mit einem Duftstein vom Kolonialwarenhändler gleich um die Ecke entgegenarbeiten, es gibt schlimmeres. Die AC funktioniert auch.
Die Beachbar legt noch einen drauf. So wie damals, als in Thailand noch „Hotel California“ bei einer weißen Tüte in jedem bärtigen Bleichgesicht in allen Strandhütten gespielt wurde. Strohgedeckt, Holztische, junge Traveller. Zeitgemäß natürlich mit Tatoos und irgendwas i-mäßigem, auf das sie fortwährend glotzen.

Aber so ist das nunmal heute, da komme ich Methusalem mit meinen schweren Kameras um den schwitzigen Hals aus einer anderen längst vergangenen Zeit. Die bewirteten neun Strandhütten direkt im Sand, in denen man bequem zu dritt liegen oder zu viert auf der Liegefläche sitzen kann, sind fast einmalig, sowas habe ich bislang nur auf den Gilis vor Lombok in Indonesien gesehen. Da lässt es sich aushalten oder, wie ich es beim Bier vor meiner Nase in der Nachbarhütte sehe, der hübschen Freundin bei Bob Marley Klängen das Oberteil langsam öffnen; oh ja, hier bin ich wohl richtig. Erinnerungen an meine 30 Jahre tiefstes Travellerglück rings um den Globus kommen auf, ich drehe mich zufrieden um und beobachte die vielen Kühe hier, die die Reggae Musik offensichtlich ebenfalls super finden. Herrlich ist auch der weiße Sand vor der Nase, das blaue Wasser. Und Abends dann spielen die einheimischen Uppiveli Freaks mit ihren blondierten langen Haaren Frisbee. Aber keine Anmache durch Beachboys, die sind offensichtlich alle in der Massenfalle Hikkaduwa auf der anderen Seite der Insel geblieben, um dort helles Fettgewebe zu beglücken.
Dann nach dem ersten Frühstück in Shivas Beachrestaurant eine Fahrt ins Landesinnere zum uralten Tempel Velgam Raja Maha Vihara, so ca. 45 Minuten Rüttelpiste. An Häusern vorbei, die diesen Namen nicht annähernd verdient haben, wir fühlen uns in die Sahelzone in Afrika versetzt. Zerlumpte Kleidung, ausgedörrte Gestalten, durchlöcherte Plastikplanen als Dach. Und überall Wellblech, zerbeult und hässlich. Das hat wohl die Regierung herbeigekarrt, um das Allerschlimmste zu kaschieren. Wir halten an, um mitgebrachte Geschenke an kleine Kinder zu verteilen. Im Anblick von uns bleichen Riesen kriegen die jedoch das Muffesausen und rennen, was die spindeldürren Beinchen hergeben. Endlich da, wartet am Eingang bereits ein Sadu auf uns, wie hier die buddhistischen Mönche ehrfurchtsvoll genannt werden. Er führt uns zu einer kleinen offenen Halle, an deren Wänden eine Ausstellung grauenhafter Fotos gezeigt werden. „Terrorists were here, they killed a lot of us“. Ja, wir sehen und verstehen. Mit Steinen erschlagen, den Tempelbus in die Luft gesprengt, das historische Gelände vermint. Und dann dem Sadu ein Messer in den Bauch gerammt und kräftig nach oben geschlitzt. Demonstrativ öffnet er seine orangene Kutte und zeigt uns seinen zerschnittenen Bauch, er hat fast als einziger den Überfall der Tigers auf diese alte buddhistische Tempelanlage überlebt. Das ist mir dann doch 500 Rupien Donation wert, so um die 3 Euro, Eintritt wird keiner verlangt. Die Fotos, die ich nun von den Ruinen mache, werden trotzdem was, obwohl ich mich dabei ertappe, nur auf den Trampelwegen zu gehen, das Gestrüpp nebenan bietet mir vergeblich eine bessere Perspektive. Wie damals in den 90er Jahren in Kabodscha in den vielen Tempeln rings um Angkor Wat, da hatte ich auch gehörigen Respekt vor den Tretminen. Wurde doch auch mein großes fotografisches Vorbild, Robert Capa, in meinem Geburtsjahr 1954 durch den Tritt auf eine Mine aus dem Leben gefetzt. Und sein in Fachkreisen berühmtes Zitat: "If your pictures aren't good enough, you're not close enough. (Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.)." ist für mich stets Leitschnur dann auch meiner seitherigen Arbeit gewesen. 80% meiner Fotografien mache ich dank Capa mit einem Weitwinkelobjektiv immer direkt vor dem Geschehen, das Tele liebt bleiern in der Tasche.

Jetzt zurück nach Trinco, durch das Fort Frederic hoch zum Hindutempel Thiru Koneswaram Kovil.
Nicht der eher kleine und schlichte Tempel begeistert mich, hier erregen nur die ausschließlich sehr jungen handygeilen Priester mit neuestem Haarschnitt meine Aufmerksamkeit. Die tippen mit einer Inbrunst wetteifernd auf den Dingern rum und vergessen die vergeblich nach ihnen ausgestreckten Arme der Pilger, die irgendwelche religiösen Handlungen erwarten. Nein, interessant ist die direkt hinter dem Tempel 100 Meter steil ins Meer abfallende Felswand mit Blick auf den Swami Rock, auch Lovers Leap genannt.
Thilak fährt uns am nächsten Vormittag weiter Richtung Norden. Wir wollen über Tiriyai zur 40 km von Uppuveli entfernten buddistischen Tempelruine Girihandu Vatadage. Laut unserer beiden mitgeführten Reiseführer Stefanh Loose 2006 und Nelles 2011 sind an vier Stellen die Flüsse nur per Fähre zu überqueren, die Straße dorthin sei in katastrophalem Zustand. Wir planen somit einen ganzen Tag ein.
Aber oh Wunder, in einer Stunde sind wir da. Nagelneue Brücken und komfortabler Asphalt lassen die Räder munter rollen. Da militärisch sehr bedeutsam, hat die Regierung Anfang 2009 in einem Kraftakt diese Leistung erbracht, nur so konnten deren Truppen schnell die Küste entlang unterwegs sein um die hier operierenden Sea-Tigers nieder zu ringen. Aber die Checkpoints sind geblieben. So nach über 20 habe ich aufgehört zu zählen. Die Anzahl der Soldaten hier inmitten des Kriegsgebietes wurde ebenso erhalten, zu groß ist offensichtlich die Angst vor einem erneuten Aufflackern des Krieges, einzelner Racheakte oder auch profane Zementierung der gegenwärtigen singalesischen Machtverhältnisse inmitten des Tamilengebietes. Aber wir Weiße werden durchgewunken, und zwar ausnahmslos. Wer sich vor Soldaten mit martialischen Knarren im Anschlag fürchtet, ist hier falsch. Wir aber wissen, dass wir hier im wilden Osten als fette Milchkühe sehr willkommen sind und staunen nur über den ungebrochenen militärischen Aufwand, den wir so noch nirgendwo auf der Welt erlebt haben.

Und am Tempel erwartet uns dann ein Getümmel, das auch fast einmalig ist. Tausende von Pilgern sind von weither gekommen, um das Vollmondfest zu feiern. So steigen wir eingereiht in fröhliche Pilgerscharen den schweißtreibenden Berg hinauf um zu sehen, was fast nicht zu sehen ist. Wer wie wir die Tempelanlagen von Anuradhapura oder Pollonaruwa wie aus dem FF kennt, wird enttäuscht sein. Aber immerhin soll es sich hier um den ältesten Dagoba der Welt handeln, in dem zur Krönung ein Haar Buddhas begraben liegt. Aber auch von diesem Dagoba ist nur noch die Basis erhalten. Also erfreuen wir uns an herrlichen Film- und Fotomotiven der Pilger und unzähliger Polizisten, die ebenfalls feiern, was das Zeug hält. So hat es sich doch gelohnt, und unsere durchgeschwitzten Klamotten sind am Abend schnell wieder ausgewaschen.

Auf dem Rückweg dann ein Pflichtstop am legendären Nilaveli Strand. Das vielgerühmte Nilaveli Beach Hotel ist jedoch für uns eine einzige Enttäuschung. Den Charme einer neonbeleuchteten Bahnhofshalle, das recht langweilige Publikum liegt eingeölt fett auf irgendwelchen Plastikliegen, ist bieder und gut sichtbar rolexreich, nix wie schnell raus hier.
Es gibt sie aber doch, die atmosphärischen Strandunterkünfte am Nilaveli Beach, wo es viel Charme für weit weniger Geld gibt. Einfach in der Ortsmitte von Nilaveli zum Strand abbiegen und den dort ablaufen. Wo die beste Musik läuft und die buntesten Leute abhängen, da ist man dann auch hier richtig. Und von wegen ausgebucht. Alle Vorwarnungen, nun Mitte Juni sei wegen des blauen Himmels und seicht wogender Wellen hier im wilden Osten Hauptsaison, waren falsch. Alle Gastgeber suchen händeringend Gäste, die Preise sind günstig. So 2000,- bis 3.000,- Rupien für ein nettes sauberes Zimmer mit AC für zwei Leute sind gerade Standard, das sind keine 20,- Euro. Und ein fulminantes Essen kostet gerade mal 3,- Euro, davon wird unsereins auch nicht arm. Also hoch die Tassen, das Ersparte lässt sich bewusstseinserweiternd am Abend in der Beachbar in eiskaltes Lion-Bier umsetzen. Und dort steht dann auch noch irgendwo ein unscheinbares kleines weißes Plastikkästchen in der Ecke mit dem Aufdruck WiFi...



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