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Die Fische von Borneo (Miri)
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Samuel Degen
Stupferich.org
4utours
Trebeltal.net
Durlacher.de


Palolem Beach

April 2012. Ja, nun ist es wieder mal soweit. Der Winter war hart, nicht nur bei den Temperaturen.

Auch ein völlig unerwarteter Ansturm auf unsere handgeschmiedeten Reisen machte mein Büro für fast zu viele Stunden zum Zentrum des täglichen Geschehens.
Noch auf die Ferientermine angewiesen, waren nun die Osterferien die erste Gelegenheit, sich in 2012 dem seit Jahrzehnten ungebrochen fortwährenden Fernweh hinzugeben. Und auch noch richtig Glück gehabt, da erst vier Wochen vorher für echt bezahlbares Geld drei Tickets im Direktflug nach Goa in Indien zu bekommen waren.
Die übliche Hektik im Vorfeld, zu viele Termine, sich häufende Kundenanfragen. Das ist immer so, zumindest gefühlt dann doppelt so viel Arbeit wie normalerweise.
Was nun dort im fernen Indien, das uns erst spät an Herz gewachsen ist, in der Kürze der Zeit unternehmen?
Jahrelang standen im Focus unserer vielen Asienreisen die netten Klassiker wie Thailand, Malaysia, Indonesien, Singapore, Hongkong, Sri Lanka und der ganze Rest, aber dann erweitert auch Indochina mit seinen Perlen Vietnam, Maynmar, Kambodscha, Laos usw.
Nun aber dann endlich auch Indien als den ganz großen Hafen unerfüllter Sehnsucht entdeckt. Zuerst, gestählt als später 68er, als Einsteigertour durchs Hippieparadies Goa mit seinen unglaublichen Mittwochs Anjuna- und Ingo`s Saturaday Night Markets und als Gaffer durch die THC-rauchgeschwängerten Strandbars am Little Vagator Strand. Bös angefixt, später dann auch durch Kerala und Tamil Nadu mit der Steilküste von Varkala, schier unendlicher Bootsfahrten durch die Backwaters, den gewaltigen Tempeln von Madurai bis hin zur wunderbaren Kulturstätte Mammalapuram etwas südlich von Madras.
Und nun wieder nach Goa. Aber nach geplantem dreitägigem Einstieg am südlichsten Strand Palolem soll es dann gleich wieder in den Flieger und über Bombay nach Aurangabad gehen, dem Tor zu unserer aktuellen Destination Elora und Ajanta.
Zeit zum zur spontanen Entscheidung vor Ort, wohin und wie lange, gibt es keine mehr, leider. Das ist lange her, viel zu lange. Die Gedanken schweifen zu den ersten Fernreisen nach Thailand Anfang der 80er Jahre, als eine Woche mehr oder weniger hier und da allem mit süßer Leichtigkeit den eigentlichen Sinn gab.
Der Flieger rauscht, der Service ist mehr als mäßig. Abgespeckt fast von jedem, sicherlich kostenintensiven, Bordservice verkam die Condor in den vergangenen Jahren zu reinen Transportvehikel.

Was soll`s, da kann mir die fliegende Servicewüste Deutschlands die Vorfreude auf das nun stündlich näherkommende, nach Zimt riechende Indien nun gar nicht mehr trüben.

Und endlich da. Der Flieger hatte etwas Verspätung, so dass es fast schon graute, als wir um fünf Uhr aus dem Airport Dabolim kamen. Nicht ohne auch dieses mal das für Indien so typische Behördenchaos erlebt zu haben, zumindest ansatzweise. Ausgefallene Computer, Ausgabe des Gepäcks am Band nur gegen Bezahlung unsinniger Handreichung. Was soll`s, diese Zöllner waren schon immer korrupt, wir sind endlich draußen.

Auch die Preismauer der wartenden Taxifahrermeute funktioniert, die gegenüber einer Rückfahrt um 20% höheren Einheitspreise ab Airport sind nicht zu knacken, 23,- Euro werden für die 65 km fällig, in Indien für viele ein kleines Vermögen.
In eineinhalb Stunden sind wir in Palolem. Über nagelneue Straßen, die wir von unserem letzten Besuch vor wenigen Jahren so nicht kannten. Gesäumt von Müll, nicht einmal der war da oder ist uns zumindest damals nicht so krass in den nun neu geschlagenen Wunden im Grün aufgefallen.
Der Palolem, immer noch Hort der Sehnsüchte zivilisationsgeplagter Aussteiger, Backpacker und nun natürlich auch der heute so angesagten Tatoofans. Selbst 70-jährige mit eingestochenem Jing-Jang Kringel auf dem Bauch sind heftig dabei, wenn die Szene sich feiert. Auch wir werden 70 und wissen dann zumindest, wohin...
Babylonisches Sprachengewirr, fast scheint es, nur die indischen Gäste unterhalten sich untereinander in Englisch. Kein Wunder auch, wo es hier doch viele Hauptsprachen und hunderte von Dialekte gibt. Und, da als schönster Strand von Indien anerkannt, kommen sie herbei, vor allem um halbnackte westliche Hippibräute, Yogaasketinnen und sonstige Sinnsucherinnen im knappen Bikini meist nur platonisch zu begrabschen und im Geiste restlich auszuziehen. Peramanent wollen sie mit ihrer Beute am Strand fotografiert werden, um dann Zuhause stolz ihre Trophäen von hellem Fleisch präsentieren zu können.

Cuba, Nirwana & Co., wie die Strandbars so alle heißen, bekochen die Gästeschar meist mehr schlecht wie recht. Um die Preise niedrig zu halten, so ein typisch indisches Chicken Masalla mit Nan kostet konstant so um die 3,- Euro, wird halt an der Qualität gespart.
Nur der Preis für eine frischzisches Kingfisher Flaschenbier, mit reichlichen 0,66 Litern Inhalt bei der Hitze auch richtig durstlöschend, kostet seit Jahren unverändert um die 1,5 Euro. Und das nicht nur im Supermarkt, sondern direkt in den angesagtesten Beachbars.

Da schlägt das Aussteigerherz doch höher, nach ein zwei Joints dann noch zwei drei Bier, die obligatorische Goan Trance Musik immer direkt ins Ohr, der weite Weg nach „Indien“ war für die Freaks hier echt lohnend.

Erste Massentouristen, sicherlich aus Novosibirsk, laufen über den Strand, eine 150 kg Frau, die die anderen Olga rufen, stampft pinkgewandet und grell geschminkt wie ein Schlachtross vorneweg, die anderen mit Goldketten und Hawaiihemden hinterher. Oh, nun auch hier, diese Besucherwende war auch in vielen anderen Traumzielen das Ende der Heimstatt von Travellern.
Und dann kommt der Samstag und mit dem die lokalen Wochenendurlauber für eine Nacht. Unsere Bungalowanlage ist plötzlich ausgebucht, wir ahnen immer noch nichts. Umso heftiger überrascht uns dann der Sturm der Nacht. Diese trinkfeste Burschen sitzen wie angenagelt vor den Hütten, selbst noch morgens um fünf. Der Sprit macht sie aggressiv, Stunde um Stunde wird ihr nächtliches Geschrei und Gehabe lauter und lauter. Eine Eskalation naht, Nachbarn brüllen zurück. Der klügere gibt nach, ein Streit gegen Besoffene ist nie zu gewinnen. Um die Mittagszeit am Sonntag ist es dann vorbei mit den Rabauken, check out und runter dann zum Strand. Während die einen dort noch weiter ihren Rausch ausschlafen, tanken die anderen schon wieder ihren mitgebrachten Billigfusel nach. Den Müll, die Flaschen und auch Scherben lassen sie dann am Strand zurück, der Spuk ist nun aber endgültig vorbei, der Stand gehört wieder den Freaks, der nächste Samstag ist weit.

Unsere ausgedehnten Spaziergänge auch über die Klippen am nördlichen und am südlichen Strandende verdeutlichen die einmalige Schönheit des Palolem, die Kamera klickt und klickt. Ayurveda, Yoga, Massagen, überall Schilder und Einladungen, überall Trance Musik und betörend süßer Räucherstäbchenduft. Dazu Strandhändler der angenehmeren Sorte, die gleich nach einem Abwinken dankend weitergehen.
Und immer wieder rein ins Nass der klaren Wellen, einfach herrlich. Und Abends dann durchs Village direkt hinter dem Strand, wo unzählige Buden und Restaurants auf Kundschaft warten. Die Näher mit ihren Nähmaschinen erregen unsere besondere Aufmerksamkeit. Kunstvoll und behende besticken sie T-Shirts mit Wunschmotiven, von denen eine große und überzeugende Auswahl an der Wand hängt. Die Fertigstellung unsere vier Aufträge samt unserer Namen auf der Rückseite werden bis zum nächsten Mittag zugesagt, zum Preis von 8,- Euro je fertigem Shirt.
Und natürlich für mich die magnetischen CD Händlier, die Ware ist sichtlich billig kopiert. Aber fünf CDs von Prem Joshua, dem Deutschen, der seit 20 Jahren die beste indische Musik macht, im Paktet für 7,- Euro sind einfach zu verlockend. Nicht nur „Water Down The Ganges“ wird nun bald auch Zuhause in glasklarem original CD-Sound ertönen und endlich meine schlechte MP3 Version ablösen, auch der legendäre„Funky Guru“ wartet nun auf meine Erhöhrung.
Ein wunderbarer Einstieg in unsere diesjährige Indienreise. Drei Nächte reichen uns hier am Palolem, um in Indien anzukommen und einzustimmen auf den harten Kulturtrip, der uns nun per Flieger via Mumbai ins, im April nun glühend heiße, Herz von Indien nach Aurangabat zu harten und schweißtreibenden Touren durch das UNESCO Weltkulturerbe Elora und Ajanta & Co führt. (Hits: 3147)

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